Welches wird das “Unwort des Jahres” 2012?

Autor:  am 29.11.2012  |  2 Kommentare    


29.11.2012

Philipp Rösler wird es wohl nicht, aber vielleicht die “Anschlussverwendung”? Darüber entscheidet im Januar ein, unter anderem aus Sprachwissenschaftlern bestehendes Gremium. Wir sprachen mit einem der Mitglieder, Prof. Dr. Martin Wengeler, Germanist an der Universität Trier und seit sechs Jahren Jurymitglied der Aktion „Unwort des Jahres“.

Warum braucht die Menschheit das „Unwort des Jahres“?

„Die Menschheit braucht es nicht. Wir als Sprachwissenschaftler sind allerdings der Meinung, dass wir mit der Aktion zu einem sensibleren Umgang im öffentlichen und politischen Sprachgebrauch beitragen können. Wir benennen Wörter, die krass gegen die Menschenwürde und die demokratischen Prinzipien verstoßen.“

Wer entscheidet denn, welches das „Unwort des Jahres wird“?

„Entschieden wird das von einer Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Hinzu kommt jedes Jahr ein anderes Jurymitglied aus der Literatur-  oder Medienszene, das als prominentes Mitglied dem Gremium angehört. Letztes Jahr war das zum Beispiel Heiner Geisler. In diesem Jahr ist es Ralf Caspers vom WDR, den man aus Sendungen wie „Wissen macht A“ oder der „Sendung mit der Maus“ kennt.“

Was sind dieses Jahr die am häufigsten eingereichten Unwörter?

„Am häufigsten wurde in diesem Jahr das Wort „Schleckerfrauen“ eingereicht. Außerdem im gleichen Zusammenhang das von Philipp Rösler genannte Wort „Anschlussverwendung“.

Rösler Anschlussverwendung

Es wurden aber auch viele Wörter eingereicht, die wir im letzten Jahr schon einmal gerügt haben, die schon einmal „Unwort des Jahres“ waren: zum Beispiel „Alternativlos“ (2010), „Herdprämie“ (2007) und „Notleidende Banken“ (2008).“

Wie viele Unwörter werden jährlich eingereicht?

„Jedes Jahr gibt es um die 2000 Meldungen und jeder kann sein „Unwort des Jahres“ auf der Homepage www.unwortdesjahres.net bis zum 31. Dezember 2012 eintragen.“

Nimmt die Zahl der potenziellen Unwörter zu?

„Nein, das kann man so nicht sagen. Das wurde in der Vergangenheit behauptet, wenn wir besonders viele Vorschläge hatten. Ich persönlich würde aber nicht sagen, dass die Zahl tendenziell zunimmt.

In diesem Jahr stellt sich für mich noch kein deutlicher Favorit heraus, der genau unseren Kriterien entspricht – bei dem es also einen deutlichen sprachlichen Missgriff gibt. Das war in anderen Jahren schon mal anders.“

Dass ein Begriff durch Ihre Wahl erst richtig ins Bewusstsein rückt und dadurch häufiger benutzt wird, sehen Sie darin eine Gefahr?

„Dass Wörter ins Bewusstsein rücken ist für uns keine Gefahr. Das ist es, was wir wollen. Man soll darüber nachdenken, dass das Wort in dem genannten Sinne abwertend und diskriminierend ist.

Sie meinen aber vielleicht auch etwas anderes. Dass das Wort überhaupt erst verwendet und bekannt wird, während es vorher nur in irgendwelchen Nischen vorgekommen ist. Ich gebe zu, die Gefahr ist da und das hat es auch bei einigen Wahlen gegeben, das etwas überhaupt erst öffentlich gemacht wurde, was sonst vielleicht untergegangen wäre. Vielleicht ist „Gefahr“ da aber der falsche Ausdruck. Wenn das Wort vorher nicht bekannt war und man nicht nur das Wort, sondern auch die Erklärung liest, dann wird einem bewusst, inwieweit Sprache verunglimpfend, diskriminierend und menschenunwürdig sein kann.“

Du hast etwas zu sagen?






 

2 Kommentare for Welches wird das “Unwort des Jahres” 2012?

Günter Hofmann

Mein Vorschlag für das Unwort des Jahres “gerne”, man bedankt sich bei seinem Gesprächspartner und bekommt zur Antwort gerne.

jsadjhfd

hallo